Zielitzer Schüler lernen von und mit Menschen mit Behinderung
Sie werden schon erwartet. Knapp 50 Schülerinnen und Schüler der 5. und 7. Klasse der Sekundarschule Zielitz gehen langsam auf ein Gelände inmitten des Stadtparks in Magdeburg. Unter dieser besonderen Exkursion konnten sie sich bis dahin noch wenig vorstellen. Auf großen Decken, Bänken und in Rollstühlen sitzen die Menschen mit Behinderung der Pfeifferschen Stiftungen. Dieser Tag soll ganz im Zeichen der Begegnung stehen, wie Organisator und Lehrer der Sekundarschule Zielitz Domenik Jahnel erklärt. „Gegenseitige Akzeptanz, Vorbehalte abbauen, die Anerkennung der Leistung und der Leistungsgrenzen sind nur einige grundsätzliche Ziele, welche durch die aktuelle Projektreihe „Sport und Bewegung als Bindeglied “ verfolgt werden“, so Jahnel.
Berührungsängste sollen abgebaut werden
Einige Schüler sind verhalten, andere laut und überdecken damit möglicherweise Berührungsängste. Was auffällt – jeder bleibt vorerst in seiner Gruppe. So erklärt Leonard aus der fünften Klasse, er habe anfangs noch „Angst" gehabt, „weil die Menschen Ticks hatten und etwas komisch aussehen.“ Seine Klassenkameradin Laura sieht das ähnlich. Sie fand es unangenehm von allen angeschaut zu werden, wie sie sagt.
Ganz anders sehen das die erwachsenen Menschen der Pfeifferschen Stiftung. Sie sind aufgeschlossen und gehen auf die Schüler zu. Die meisten von ihnen können sich nicht verbal ausdrücken, aber dass sie sich freuen, zeigen sie umso mehr mit großen Gesten. Und genau dafür ist dieser Tag gedacht: „Sport und Bewegung soll in diesem Kontext als Bindeglied für eine kulturelle, moderne und weltoffene Gesellschaft dienen und Vorbehalte sowie Ängste bei den Kindern abbauen.“, so Jahnel.
Sport, Spiele und Rollstuhlfahrrad schweißen zusammen
Um die Ängste und Vorbehalte abzubauen, wird der ganze Tag spielerisch aufbereitet. An mehreren Stationen können die Schüler so Riesen-Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen, Fußball oder Dosen werfen – all das gemeinsam mit den Menschen mit Behinderung. „Mir war klar, dass man mit ihnen nicht alles machen konnte, aber ich dachte nicht, dass es sogar ein bisschen lustig wird“, sagt Aimee. Sie fand vor allem ein Spiel besonders gut: „Zum Beispiel das Tuch war echt lustig, weil wir dort drunter gelaufen sind“, sagt sie weiter.
Ein weiteres Highlight war eine Runde durch den Stadtpark in einem Rollstuhlfahrrad gefahren zu werden. So ist Anton einer der ersten, die sich sofort einen Helm aufsetzen und anschnallen lassen. Mit einem Lächeln im Gesicht wird er beim Anfahren sanft in den Sitz gedrückt. Dann ist er auch schon zwischen den Bäumen verschwunden. „Die Station mit dem Rollstuhlfahrrad hat mich beeindruckt und es war entspannt“, sagt der Schüler, nachdem er gut zehn Minuten später, den nächsten motiviert einzusteigen.

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7. Klasse zum zweiten Mal dabei
Während die 5. Klasse langsam warm wird, haben die meisten Schüler der 7. Klasse so gut wie keine Probleme auf die Menschen mit Behinderung zuzugehen. Vor allem einer sticht hierbei heraus – Finn. Er kümmert sich führsorglich um einige der Bewohner der Pfeifferschen Stiftungen, nimmt sie an die Hand, hilft ihnen beim Hinsetzen oder Essen bringen. Ob hier wohl eine Berufung zu sehen ist? „Zuerst hatte ich sehr großen Respekt davor was mich erwartet und wollte aus diesem Grund Zuhause bleiben. Ich bin so froh, dass ich heute mitgekommen bin. “, so der Schüler der Klasse 7.
Doch am Ende des Tages schwinden bei allen Bedenken oder Ängste. Die Kinder spielen mit den Erwachsenen, lachen und machen Späße, sodass – als der Abschied kommt – sich der ein oder andere plötzlich gar nicht mehr losreißen mag.
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Perspektivwechsel
Dass so ein gemeinsamer Tag zwischen den Schülern und den Erwachsenen mit Behinderung auf jeden Fall erneut sattfinden muss, weiß Domenik Jahnel: „Nur durch die regelmäßigen, vertrauensvollen und respektvollen Begegnungen mit gemeinsamen Erlebnissen können positive und nachhaltige Erinnerungen geschaffen werden. “
Ein Perspektivwechsel, der auch anderen guttun könnte. So weiß Sofia der 5. Klasse: „Es ist wichtig, weil man auch mal mit solchen Menschen zu tun haben sollte.“ Auch für Mitschülerin Mia ist klar: „Der Tag ist wichtig, damit man weiß, wie man sie behandelt und nett zu ihnen ist, egal ob sie behindert sind oder nicht“.
Doch nur nach ein paar Stunden müssen sich die Zielitzer Schüler wieder ihre Rucksäcke schnappen. Die Heimfahrt liegt noch vor ihnen. Ein finaler Handschlag, noch einmal albern. Spielerisch sind sie zusammengewachsen, haben sich wortlos verstanden. Ein vorerst letzter Blick über den Zaun, dann gehen knapp 100 Füße zurück zum Bahnhof.
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